| Studienschwerpunkte |
| E X P E R I M E N T Die Bereitschaft zu Versuchen und Wagnissen ist grundsätzliche Voraussetzung für ein Studium nicht nur der Textilgestaltung. Bereits mit der Entscheidung für´s Stoffliche beginnt das Experiment: hält der dünne Faden der anfänglichen Begeisterung und läßt er sich zu einem tragfähigen Gewebe, bestehend aus Neugierde und dem textilem Verfallensein, künstlerisch-handwerklichen Fertigkeiten und Kenntnissen, sowie fachlicher, sozialer und technischer Kompetenz verknüpfen? Mit Grundzügen textilen Denkens und rudimentären Kenntnissen der Textiltechniken vertraut, experimentieren die Studierenden seit Beginn der Studiums in den Ateliers, am Computer, am Drucktisch, an Strickmaschinen oder Webstühlen. Schrift und Grafik, Akt- und Naturzeichnen, Kunst-, Design- und Textilgeschichte, aber auch Seminare zu Themen wie methodisches Arbeiten, Ästhetik, Designrecht, Marketing und Semiotik bereichern, motivieren und unterstützen bei der inhaltlichen und formalen Stoffsuche. Freiheit bedeutet, sich selbst Gesetze und einen Rahmen geben. Für Stofferfindungen gilt: ohne einen Grundsatz an Regeln sind Experiment, Spiel und Vielfalt unmöglich. Wie sich textile Bezeichnungen für Phänomene anderer Lebensbereiche in unsere Sprache eingeprägt haben, so gehören Anmutungen, Wirkweisen und Wahrnehmungen von Stoffen zum menschlichen Allgemeingut. Dieses Wissen sowie Kreativität und technische Kenntnisse ermöglichen es Textilentwerfern, Stoffe zu entwickeln, die über die praktische Funktion hinaus der Reiz des Außergewöhnlichen auszeichnet. Entwerfen setzt die Fähigkeit zum Verwerfen voraus: die selbstkritische Auseinandersetzung mit allen Aspekten von der abstrakten Idee bis zum konkret faßbaren Stoff wird im Rahmen des Studiums an unterschiedlichen Themen erprobt. Ob als interdisziplinäres Projekt an der eigenen oder an anderen Hochschulen, mit Firmen oder als Wettbewerbe, die jeweiligen Bedingungen bilden dabei den experimentelle Rahmen, der vielfältige Einblicke in die schöpferischen Prozesse ermöglicht. |
| F A R B E Das augenfälligste Merkmal eines Gegenstandes oder Stoffs ist seine Farbgebung, die noch vor der Funktion, der Materialität oder dem Muster wahrgenommen wird. Durch die untrennbare Verknüpfung von farbigem Material in seiner technischen Verarbeitung ist ein Textil nicht einfach nur rot: es hat Tiefe, spielt ins Gelbe, ist anregend und üppig, grell bis schreiend und kann beißen; es ist sanft oder satt, edel und luxuriös oder erotisch, penetrant, vulgär bis majestätisch oder nur seriös! Einerseits ist die Wahrnehmung von Farben subjektiv, andererseits existieren sehr wohl Konnotationen, die die Wirkung von Farben eindeutig festlegen. Farbige Textilien in ihrer jeweiligen besonderen Anmutung können ganze Farbgeschichten erzählen oder einen exakten sozialen Code ausdrücken. „Colour and Trim“ ist daher ein wichtiges Betätigungsfeld für Textilgestalter. In der englischen Sprache wird im Gegensatz zur deutschen das Wort Farbe als „colour“ für das farbige Aussehen und als „ink“ für Tinte, aber auch Druckfarbe und Farbe zum Einfärben, unterschieden. Farbe ist als Sammelbezeichnung für folgende Bedeutungen zu verstehen: Körper- und Lichtfarbe, Farbreiz und Farbempfindung, Färbe- und Einfärbemittel, Farbdynamik und -harmonie. |
| G E W E B E 27 000 Jahre alt sind die in Tschechien gefundenen, eiszeitlichen Fragmente feinster, technisch hoch differenzierter Netze und Geflechte, der Gewebevorläufer. Sie belegen die bereits damals hoch entwickelte Tradition handwerklich-technischer Fertigkeiten bei der Herstellung von Textilien. Die unterschiedlichen Arten von Handwebstühlen, -techniken und -traditionen, die sich in den Jahrtausenden auf allen Kontinenten entwickelt haben, lassen den Reichtum an ethnischen und historischen Textilien nur erahnen. Vom Beginn der industriellen Revolution bis zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts gelang es der Industrie, diese textilen Vorbilder und deren Techniken in ungeahnter Menge und Vielfalt nachzustellen. So sind in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg noch über 80 unterschiedliche Samtqualitäten nachgewiesen. Diente diese Entwicklung der Technologien zunächst primär den gestalterischen Möglichkeiten, so verlagerte sich mit der zunehmenden Konkurrenz der Firmen untereinander die Ausrichtung auf größere und schnellere Fertigung. Die ehemals differenzierte Anzahl an Produktionstechnologien verringerte sich zugunsten einfacherer, zeitsparender Herstellungsmethoden und das nicht nur in der Weberei. Diese Technik zeichnet eine Besonderheit aus: die extreme Begrenztheit auf Kette und Schuß in der zweidimensionale Fläche einerseits scheint im Gegensatz zu den unbegrenzten Entwurfsmöglichkeiten andererseits zu stehen, die sich aus der Kombination und Verschränkung farbiger Fäden unterschiedlicher Beschaffenheit, Haptik, Stärke und Struktur ergeben und das ist eine spannende Herausforderung! |
| S T R I C K / M A S C H E N W A R E N Während die Zusammensetzungen wie be-, um-, und verstricken noch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes für Schlinge, Knoten, geknüpfte Schleife oder Seilereierzeugnisse, aber auch deren Anwendung als Galgenstrick und Halfter ahnen lassen, ist die des Grundverbs stricken auf den technischen Vorgang eingeengt worden: das Verknüpfen eines Fadens zu regelmäßig nebeneinanderliegenden Maschen, so daß ein zusammenhängendes netzartiges Gewebe entsteht. Die Geschichte der Maschenbekleidung in Europa begann in der Gotik, als die Kleidung körpernäher und eleganter und die Gewänder der Herren kürzer wurden. Die gestrickten Strümpfe paßten sich besser der Beinform an und waren bequemer als ihre Vorläufer aus Leder oder Geweben. Strümpfe waren Blickfang und wichtiger Bestandteil der galanten Mode. Ab dem 17. Jahrhundert werden auch Gilets, Mäntel und Capes gestrickt, ab dem 19. Jahrhundert bestand ein Großteil der Damenmode aus Maschenwaren. Heute findet man sie aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften und vielfältigen Herstellungsmethoden nicht nur in allen Bekleidungsbereichen, sondern auch bei den Heim- und Haustextilien sowie den Technischen Textilien: Maschenwaren zeichnen sich in der Regel durch außerordentliche Elastizität bei gleichzeitiger Formbeständigkeit und Knitterfestigkeit sowie Pflegeleichtigkeit aus. Daher wird diese Technik bei Unterwäsche und Pullovern, für Gardinen und Bettwäsche eingesetzt. |
|
S T O F F D R U C K Bedruckte Textilien finden sich in vielen alten Kulturen und lassen sich im europäischen Raum seit dem achten Jahrhundert nachweisen. Bedingt durch den sprunghaft angestiegenen Bedarf an bedruckten Textilien nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien beginnt der industriell betriebene Textildruck sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Holland aus in Europa auszubreiten. Karl Höing |
| F Ä R B E R E I |